Diagnose

Vor einer jeden medizinischen Behandlung ist die Erstellung der richtigen Diagnose unabdingbar und extrem wichtig, schließlich ist gerade eine richtige Diagnose der erste wichtige Schritt zu Ihrem Kinderwunsch.

In der Kinderwunschpraxis am Bodensee wird vor einer jeglichen Behandlung von unserem Arzt eine präzise Diagnose erstellt, mit deren Hilfe Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt den bestmöglichen Weg zu Ihrem Kinderwunsch festlegen.

Um die verschiedenen Möglichkeiten der Diagnostik von Unfruchtbarkeit zu verstehen, ist es wichtig sich einen Überblick über die verschiedenen Ursachen von Infertilität zu verschaffen. Im weiteren Verlauf werden diese grob umrissen und anschließend die möglichen diagnostischen Verfahren erklärt.

Der Begriff der Unfruchtbarkeit

In der medizinischen Fachwelt wird ein Paar als unfruchtbar oder infertil bezeichnet, wenn nach einem Jahr regelmäßigem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eingetreten ist. Studien zufolge leidet ungefähr jedes sechste Paar an ungewollter Kinderlosigkeit – Tendenz steigend. Die Ursachenwahrscheinlichkeit kann auf beide Geschlechter gleich verteilt werden, oftmals gibt es bei beiden Partnern biologische Schwierigkeiten.

Ursachen für Unfruchtbarkeit

Ursachen beim Mann

Mögliche Gründe für eine verminderte Fruchtbarkeit beim Mann finden sich in den Parametern seines Spermiogramms.

  • Oligospermie: Man spricht von einer verminderten Spermienanzahl, wenn in einem Milliliter Sperma weniger als 20 Millionen Spermien vorkommen.
  • Asthenospermie: Unter diesem Begriff wird eine verminderte Bewegungsfähigkeit der Spermien verstanden. Diese sind demzufolge nicht in der Lage zur Eizelle zu gelangen.
  • Morphologie: Morphologie bezeichnet eine veränderte Form der Spermien, was zur Folge hat, dass diese nicht in die Eizelle eindringen können.
  • Azoospermie: Es kommt zu keiner Spermienproduktion im Hoden.

Ursachen bei der Frau

  • Ovarialfaktor: Hierbei liegt die Ursache in den Eierstöcken. Aufgrund einer hormonellen Störung reifen keine Follikel und folglich auch keine Eizellen heran.
  • Hormonstörungen: Prolaktin, das follikelstimulierende Hormon (FSH), das lutanisierende Hormon (LH), Androgene, Östradiol und die Schilddrüsenhormone sind essentiell für die Entstehung und Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft.
  • Tubenfaktor: Aufgrund eines Verschlusses der Eileiter kann die Eizelle nicht zur Gebärmutter wandern und somit befruchtet werden.
  • Endometriose: Bei Endometriose treten Herde von Gebärmutterschleimhaut an anderen Stellen des Körpers, meist im Bauchraum, auf. Diese Schleimhaut verhält sich als wäre sie in der Gebärmutter lokalisiert, sie wird von Hormonen gesteuert und unterliegt dem weiblichen Zyklus. Da das entstehende Blut nicht oder nur schlecht abfließen kann, können sich Zysten bilden, es kann zu Verklebungen oder zum Verschluss der Eileiter kommen, was sich maßgeblich auf die Fruchtbarkeit auswirkt.
  • Immunologie: In seltenen Fällen kann eine Immunreaktion der Frau die Bewegung der Spermien negativ beeinflussen und auch die Befruchtung stören.
  • Genetik: Aufgrund von Chromosomenanomalien kann es zu Fruchtbarkeitsstörungen oder etwaigen Erbkrankheiten kommen.
  • Asherman-Syndrom: bezeichnet Verwachsungen in der Gebärmutter, die meist aufgrund von Operationen im Bauchraum entstanden sind. Folgen können eine Amenorrhoe, Hypomenorrhoe, habituelle Aborte und eine sekundäre Sterilität sein.

Überblick über die Diagnostik bei Infertilität

  1. Anamnese

Zu Beginn einer Behandlung wird eine ausführliche Anamnese durchgeführt, wobei Informationen über den Gesundheitszustand der Patientin und des Patienten sowie deren engerer Familie eingeholt werden. Für den behandelnden Arzt ist es wichtig zu wissen, was bereits für Behandlungen stattgefunden haben, ob Krankheiten oder beispielsweise Zyklusanomalien vorliegen oder ob in der Vergangenheit Operationen durchgeführt wurden.

  1. Hormonuntersuchung

Im Rahmen einer Blutabnahme werden die Hormone, die bei Befruchtung und Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft eine Rolle spielen, genau untersucht. Auf folgende Parameter wird besonders geachtet:

  • Androgene: Einem unregelmäßigen Zyklus kann eine Störung der Androgene zugrunde liegen. Die wichtigsten Androgene sind das Testosteron und das DHEAS (Dihydroepiandrosteron). Ein erhöhter Spiegel von Testosteron oder DHEAS kann die Eizellenreifung stören und somit die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen. Mögliche Ursachen für erhöhte Werte können beispielsweise eine Fehlfunktion der Nebennierenrinde oder Übergewicht sein.
  • Gonadotropin: Das Luteinisiernde Hormon (LH) und das Follikelstimulierende Hormon (FSH) bilden die Gonadotropine. Die beiden Hormone werden im Hypophysenvorderlappen gebildet und mit Hilfe des Hypothalamus geregelt. LH und FSH sind beim Mann zuständig für die Produktion der Sexualhormone und die Funktion der Hoden, also in weiterer Folge für die Heranreifung der Spermien. Bei der Frau helfen die Hormone bei der Produktion von Östrogen und Progesteron mit. Außerdem ist das lutenisierende Hormon wichtig für das Auslösen des Eisprungs und die Bildung des Gelbkörpers. Das follikelstimulierende Hormon hingegen sorgt, wie der Name schon sagt, für eine ausreichende Reifung der Eizelle.
  • LH:FSH-Ratio: Das Verhältnis von LH zu FSH gibt Aufschluss über mögliche Hormonerkrankungen, beispielweise über das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS). Bei PCOS findet man häufig ein zu hohes LH:FSH-Verhältnis.
  • Schilddrüsensituation: Bei Kinderwunsch sollte sowohl eine Hyperthyreose also auch eine Hypothyreose ausgeschlossen oder behandelt werden. Beides kann Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben.
  1. 3D-Sonografie

Mit Hilfe der 3D-Sonografie kann auch die Tiefe eines Bildes miteinbezogen und somit beispielsweise das Volumen eines Organs dargestellt werden. Das ermöglicht eine genauere Diagnose von Fehlentwicklungen oder der Oberfläche von Eibläschen während der Stimulation.

  1. Anti-Müller Hormon (AMH)

Die Bestimmung des Anti-Müller Hormons im Blut kann Rückschlüsse auf die noch vorhandenen Eierstockreserven ermöglichen. Somit stellt das AMH ein Indikator für den Erfolg einer Hormonstimulation dar und somit für die Möglichkeit genügend Follikel für eine nachfolgende IVF zu gewinnen.

  1. Genetik

Mit Hilfe der Präimplantations-Diagnostik (PID oder PGD) können Embryonen mit Erbkrankheiten noch vor einem Transfer identifiziert werden. Somit reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft aus genetischen Gründen unterbrochen wird, was für die Patienten und Patientinnen eine große psychische und physische Belastung darstellt.

Indikationen zur Präimplations-Diagnostik sind beispielsweise Fehlgeburten in der Vergangenheit, ein hohes Risiko einer chromosomalen Aberration oder mehrere fehlgeschlagene IVF-Zyklen.

  1. Hysterosalpingographie (HSG)

Eine mögliche Ursache von Infertilität können Veränderungen im Uterus oder verschlossene Eileiter sein. Um dies abzuklären kann eine Röntgenuntersuchung der Gebärmutter und der Eileiter durchgeführt werden. Mit Hilfe eines Kontrastmittels kann die genaue Verteilung der Flüssigkeit im Bauchraum beobachtet und somit die Durchlässigkeit der Eileiter beurteilt werden. Auch Veränderungen in der Gebärmutter können auf diese Art sichtbar gemacht werden.

  1. Spermiogramm

Im Ejakulat des Mannes werden die Parameter der Spermien bestimmt, die nach den folgenden Kriterien bewertet werden: Beweglichkeit, Menge, Form, Farbe usw.

Referenzwerte laut der WHO-Standards

  • Farbe: grau, opaleszierend
  • Volumen: > 1,5 ml
  • Agglutination: Grad 0 – 1
  • Konzentration: ≥ 15 million/ml
  • Motilität: ≥ 40 %
  • Progressive Motilität: ≥ 32 %

Quelle: World Health Organization reference values for human semencharacteristics,Human Reproduction Update, Vol.00, No.0 pp.1–15, 2009.

Welche Behandlungsmethode ist für mich die richtige?

Um die richtige Behandlung zu finden ist es wichtig abzuklären, was die Ursache der Fruchtbarkeitsstörung ist und inwieweit beide Partner dazu bereit sind, die körperlichen und psychischen Belastungen einer Kinderwunschbehandlung auf sich zu nehmen.

Bei uns werden Sie genau über die Art und Dauer der Therapien, über die Erfolgschancen und möglichen Risiken aufklären.